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Sonntag, 05. Februar 2012
26.06.2009 00:42 Alter: 3 Jahre

IVW begräbt Page Impressions

 

Im Netz verbreitete sich die Info blitzartig: die IVW begräbt im Jahr 2010 die umstrittene Online-Kennziffer Page Impression. Öffentlich werden dann nur noch die Visits ihrer Mitglieds-Websites ausgewiesen. Die Hoffnung vieler User: Das Internet wird nun nutzerfreundlicher, da auf Klickgalerien und andere PI-Bringer endlich verzichtet werden kann. Ist damit ein Ende der Mogeleien erreicht?

Laut IVW wolle das Unternehmen ab 2010 wolle auf die Veröffentlichung der PIs verzichten und nur noch die Visits der von der IVW vermessenen Sites bekannt gegeben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht vom Aus der Messeinheit durch das Internet. Der Hintergrund des Jubels: Page Impressions sind in den vergangenen Jahren immer irrelevanter geworden, weil Verlage und Nachrichten-Websites durch Tricksereien versucht haben, ihre PIs in die Höhe zu treiben. Klickgalerien mit Hunderten Teilen, Sudoku-Spiele, bei denen jedes Eintragen einer Zahl eine PI gebracht hat und andere Dinge wurden auf die Seiten gehoben. Statt Rankings oder Tabellen wurde eine Top 20 gern mal in eine 20-teilige Galerie aufgesplittet.

Verschwinden werden die PIs aber nicht komplett. An einer "Neudefinition des Leistungswertes" wird bereits gearbeitet. Hier soll die Werberelevanz der Internetnutzung stärker erfasst werden. "Bisher wurde grundsätzlich jeder Seitenaufruf eines Nutzers gezählt. Nach gegenwärtigem Diskussionsstand in den zuständigen IVW-Gremien sollen künftig nur noch die Klicks auf potenziell werbeführende Seiten berücksichtigt werden" sagt IVW-Mann Bongartz zu "Horizont.net". Sprich: Statt der Gesamtzahl der Page Impressions werden dann nur noch vermarktungsrelevante Zugriffe gezählt. Wer kann aber ausschließen, dass in einem solchen Fall die Websites umprogrammiert werden, auf einmal alle PIs vermarktungsrelevant sind und das Spielchen wieder von vorn beginnt?

Die interessanteren und relevanteren Kennziffern wie die Vists der IVW, die Unique Visitors der AGOF oder ähnliche Zahlen von Firmen wie Comscore, Nielsen oder aus dem Google Ad Planner können ebenfalls beeinflusst werden. Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenmarketing (SEM) lockt Hunderttausende schnell auf eine Website. Ein Erfolg bei Visits und Unique Usern bedeutet also nicht gleichzeitig, dass eine Website wegen ihrer Inhalte besonders beliebt ist. Theoretisch ist es denkbar, dass die Betreiber lediglich über viel Geld oder Wissen verfügen, um sie mit SEO- und SEM-Maßnahmen nach vorn zu bringen.

Auch die immer wieder als Kriterium ins Spiel gebrachte Verweildauer auf Websites ist nicht des Rätsels Lösung. Denn: Wo ist der Unterschied, ob jemand Sudoku auf einer Nachrichten-Website spielt und dabei 100 PIs erzeugt - oder eben eine Verweildauer von 30 Minuten? Über die Nutzung der Website sagen beide Werte gleich wenig aus.

Es gibt also kein Allheilmittel der Onlineforschung. Alle Kennziffern und Maßeinheiten können weiterhin nur eine Annäherung liefern.